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Hermann Aschwer
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Herzlich willkommen auf meiner neuen Homepage. Hier gibt es alles wichtige über mich sowie meine Triathlon-Bücher zu lesen. Viel Spaß beim Surfen. Euer Hermann
 
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Der magische Tag X (the Race Day) Drucken E-Mail
Tipps und Leseproben - Training, Tipps und Grundlagen

Leseprobe aus "Triathlontraining für Master"

Endlich ist es so weit. Der große Tag. Der lang herbeigesehnte Tag. Der Tag, für den man lange geplant, trainiert und sich bestens vorbereitet hat. Es wird für alle Athleten ein merkwürdiger Tag. Ein Tag, den man wahrscheinlich nicht hundertfach erlebt, sondern nur ein, zwei oder auch drei Mal in einem Sportlerjahr.

Um Ihnen als Leser, aber auch dem zukünftigen Ironman einen Eindruck von den extremen Verhältnissen in Hawaii zu geben, können die persönlichen Eindrücke und Erlebnisse des Autors interessant und hilfreich sein. Daher werden nachfolgend die individuellen Probleme, Schwierigkeiten, aber auch Gedanken und Gefühle während des 226 km langen Abenteuers aufgezeigt. Diese gestatten dem Leser einen tiefen Einblick in das Wettbewerbsgeschehen, aber auch in das Gefühls- und Seelenleben eines Ironmans.

„Der magische Tag X, der lang herbeigesehnte Tag der Wahrheit, the Race Day, ein unvergessenes Abenteuer startet für mich um vier Uhr in der Früh. Drei Stunden vor dem Start in Kailua-Kona beginnt der Tag mit ein paar gymnastischen Übungen und dem üblichen Vorwettbewerbsfrühstück. Müsli, Brot mit Honig, und Zuckerrübensirup. Kohlenhydratreich und den Magen nicht allzu sehr belastend muss es sein. Dazu mein Kraftdrink, bestehend aus Brottrunk, Apfelsaft und Wasser.

Mein selbst gewähltes Drei-Gang Triathlonmenü für heute sieht wie folgt aus:

  • 3,86 km Schimmen im Pazifischen Ozean
  • 180,2 km Rad fahren in der Lavawüste von Big Island
  • 42,195 km Marathonlauf

Es wird mir nun in wenigen Minuten ”serviert”.

Jeder Triathlet drückt seine Stoppuhr auf null und sucht im dichten Gedränge eine möglichst günstige Ausgangsposition. Wir drücken uns noch einmal die Hände und wünschen uns aufrichtig: „Finishen”. Eine weitere bewegende Situation. Die Hubschrauber mit den Fernsehkameras schwenken über die Menge, der Countdown läuft, einige Athleten winken und jubeln, zählen mit. Dann noch eine Minute, noch 30 Sekunden, noch 20, noch 10, Kanonendonner, AB GEHT´S.

Wie eine ausgehungerte Horde Wölfe stürzen die gelben und roten Badekappen los. Als wolle man den Pazifischen Ozean umpflügen. Das Meer brodelt, die aufgewühltesten Schwimmmeilen in allen Meeren liegen vor uns Athleten. 2.800 Arme und 2.800 Beine setzen sich gleichzeitig in Bewegung. Aufgewühltes Wasser, das schäumt, brodelt und von Millionen Luftblasen durchsetzt ist, umgibt mich. Ich, Hermann, als mäßiger Schwimmer inmitten dieser 1.400 Kraftprotze. Unter den vielen schlagenden Armen und Beinen in nur einigen Metern Tiefe begleiten uns ganze Fischschwärme. Sie bedauern uns sicherlich wegen unseres ungestüm wirkenden Schwimmstils, geht es mir durch den Kopf. Der schwarz-grüne, unebene, für mich wenig reizvolle Meeresboden, der in einigen Metern Tiefe glasklar zu erkennen ist, lenkt ein wenig von dem nicht endenden Geschlage ab.

Das fehlende Netzhemd kommt mir dahin gehend zugute, dass ich meinen Oberkörper ungehindert mit Wasser bespritzen kann. Seit dem Wendepunkt nehme ich zum obligatorischen Wasser und Elektrolytgetränk noch einen Becher Coca-Cola auf. Dieses, für Ausdauersportler untypische Getränk hat nur den Zweck, den mittlerweile sehr stark gesunkenen Blutzuckerspiegel anzuheben. Obwohl die Beine nicht leichter werden, erreiche ich mit nahezu gleich bleibender Laufgeschwindigkeit das Schild, das die letzten drei Meilen anzeigt. Nur noch 5 km und meine Endzeit wird eine 10 vor dem Komma tragen, jubiliere ich. Sollte es mir heute gelingen, eine ganze Stunde schneller zu sein als vor vier Jahren?

Ich fange an, diese verdammte und trotzdem faszinierende 226 Kilometer lange Hawaii Ironman-Distanz zu lieben. Bewusst koste ich diese restlichen drei Meilen richtig aus, zumal immer mehr Zuschauer den Rand des Highway 19 säumen, um uns als Finisher in Kailua-Kona willkommen zu heißen. Mein Laufschritt wird lockerer und damit raumgreifender. Noch kann ich das Zielband, wie versprochen, bei Tageslicht erreichen. An einer Reihe von Triathleten ”fliege” ich auf diesen letzten Kilometern regelrecht vorbei.

Nach mehr als 10,5 Stunden Kampf mit den Wellen des Pazifischen Ozeans, den 1.400 Schwimmern, der Lavawüste, den Steigungen, dem Wind, der Hitze, der Luftfeuchtigkeit, der 180,2 km langen Radstrecke und der Marathonstrecke fliege ich regelrecht dem Ziel entgegen. Die immer frenetischer werdenden Zuschauer kündigen das so lang herbeigesehnte Ziel an. Noch sind zwei Straßenzüge in Kailua-Kona zu durchlaufen, der Jubel wird unbeschreiblich. „Meinen die vielen Menschen wirklich mich?“, befrage ich mich selbst. Dann biege ich auf die Zielgerade ein, bin immer noch in der Lage, Teilnehmer zu überholen. Ein irres Gefühl. Das ist es, was uns Triathleten hierher treibt, bin ich mir plötzlich sicher.

Im tosenden Jubel vernehme ich nur noch im Unterbewusstsein ”Hermann Aschwer from Germany”. Jubel in mir und um mich herum. Fantastisch, ich bin im ZIEL des Hawaii Ironman Triathlon, nach 10:44 Stunden.

Ein unbeschreibliches Gefühl! Irre! Traumhaft! Einmalig!

Hier gelten alle Superlative gleichzeitig.

Ein einfach unbezahlbares Ereignis, sprich Abenteuer!

Mit sehr viel Stolz lasse ich mir den hawaiianischen Lei umhängen. Tatsächlich habe ich bei Tageslicht das Ziel erreicht. Das unbezahlbare Finisher T-Shirt erhalte ich von einem der zahlreichen, farbenfroh gekleideten Hawaiimädchen, die hinter der Ziellinie immer lächelnd ihren Dienst versehen. Gleichzeitig werde ich zur Massagebank geführt und von allen wie ein Finisher, das ist auf Hawaii gleichbedeutend mit Sieger, gefeiert.

Nach diesen, für mich tollen 10 Stunden, 44 Minuten und 21 Sekunden ist für mich der Tag keinesfalls vorbei. Neben der so wohltuenden Massage erwartet mich und allen anderen Teilnehmer und Zuschauer ein weiterer Höhepunkt, das Finale. Dieses Mitternachtsspektakel werde ich mir diesmal nicht entgehen lassen, obwohl ich im Moment physisch einfach leer bin.

 
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© 2018 Hermann Aschwer
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